STEIN BLEIBT ATTRAKTIV
Stein bleibt attraktiv. (Wort)
Spätestens seit der Eurokrise suchen viele Menschen nach sicheren Anlagemöglichkeiten. Immobilien erfreuen sich dabei großer Beliebtheit. Nach einem Preisrückgang der Wohnimmobilien im Jahr 2009 hat die Lage sich hierzulande ab Ende 2010 wieder normalisiert. Laut Zentralbank sind die Verkaufspreise zwischen dem letzten Quartal 2008 und dem letzten Quartal 2011 um 5,1 Prozent gestiegen.
„Es lohnt sich in Immobilien zu investieren“, ist Jean-Paul Scheuren, Präsident der Chambre immobilière du Grand Duché de Luxembourg, überzeugt. „Immobilien gehören seit 50 Jahren zu sicheren Anlagemöglichkeiten in Luxemburg auch wenn die Steigerungen weniger erweisen als noch im Zeitraum 1999-2008“, argumentiert er.
Gegenüber Sparbüchern mit einer Rendite von unter einem Prozent seien Immobilien immerhin rentabler. „Sogar ohne die Entziehung des Mehrwertes sind Immobilien ein lukratives Geschäft“.
Beim Kauf einer neuen Wohnung etwa könne ein Investor während maximal sieben Jahren sechs Prozent der Summe steuerlich abschreiben. Danach fällt der Steuersatz auf zwei Prozent.
Vermietet er sein Objekt, kann er demnach Einnahmen generieren ohne viel Steuern zu zahlen. 30 bis 50% der Käufer neuer Wohnungen sind Investoren. „Dabei handelt es sich größtenteils um Privatleute“, so Scheuren. Oft seien es ältere Menschen, die ihr Eigenheim bereits abbezahlt hätten und ihr überflüssiges Geld sicher anlegen wollten. Investitionen in Einfamilienhäuser seien eher selten.
Mit diesem Anlegerprofil hält Scheuren eine Spekulationsblase – wie vor zwei Jahren von BCL-Präsident Yves Mersch befürchtet – für unwahrscheinlich. „Der einzige Punkt, der hierzulande zu einer Blase führen könnte, sind unsere langen Prozeduren“, moniert Scheuren.
Alle anderen Faktoren würden gegen eine Blase sprechen. Einerseits müsse man schauen, für wen gebaut wurde: „70% Prozent der Bevölkerung besitzen Ihr Zuhause“, so Scheuren. Ein Großteil der Immobilien bleibe demnach in Händen der Menschen, die darin wohnen.
Des Weiteren werde das Gros der Wohnungen in Luxemburg vor der Fertigstellung verkauft. In Krisenländern wie Spanien war das nicht der Fall: Dort wurde für etwaige Kunden gebaut, die nachher nicht kamen. Das Ergebnis: die Gebäude blieben leer und die Preise sackten in den Keller. „So eine Entwicklung ist in Luxemburg höchst unwahrscheinlich“, meint Scheuren. Die hiesigen Banken forderten Garantien von den Käufern. Demnach seien die Neubauten in Luxemburg auf die Nachfrage abgestimmt.
Außerdem sei das Profil der Wohnungskäufer vorsichtig. „Das Gros der Anleger bringt mindestens 50 Prozent Eigenkapital mit“ weiß er. Ein weiterer Punkt sei die Entwicklung der Kaufkraft im Vergleich zu der Preisentwicklung der Immobilien. Daraus ergebe sich, dass die hiesigen Gebäude nicht überteuert seien.
„Dennoch brauchen wir ein Werkzeug um statistisch eine Spekulationsblase voraussehen zu können“, sagt Scheuren. So etwas gäbe es bislang nicht und zu viele Statistiken beruhten insbesondere bei Einfamilienhäusern auf den angekündigten Preisen – nicht auf den realen Verkaufspreisen. „Das treibt die Preise in die Höhe“, ist er überzeugt. Jeder Verkäufer wolle so viel wie möglich für sein Objekt ergattern – auch wenn es sich um eine Flohkiste handele. „Es kommt nicht von ungefähr dass 5 000 Häuser in Luxemburg zum Verkauf stehen“, sagt er. „Viele sind überteuert und finden keinen Käufer“. Das Angebot sei jedenfalls hoch genug, sagt Scheuren. Das sei nicht immer der Fall gewesen. Dasselbe gelte für Apartments. „Wir hatten während zehn Jahren zu wenig Wohnungen im Angebot, das ist aber jetzt nicht mehr der Fall“, sagt Scheuren.
Wer in einen Neubau investieren will, der soll das Lastenheft genau durchschauen, rät der Experte. Denn: „Der Teufel steckt im Detail“. Bei einem Altbau sei es gut jemanden mitzunehmen, der sich auskenne.
Wer eine Wohnung vermieten möchte, erhöht seine Erfolgschancen in Ballungsgebieten. „Das muss nicht in der Gegend der Hauptstadt sein, sondern trifft auch auf Ettelbrück oder Esch-Alzette zu“, so Scheuren.
Die Hauptstadt bleibt nach wie vor das teuerste Pflaster im Großherzogtum. Dort kostet der Quadratmeter Wohnung 5 301 Euro. Der landesweite Durchschnittpreis liegt bei 4 115 Euro.
Die Wohnungspreiser pro Quadratmeter haben im zweiten Trimester 2012 wieder zugelegt: 2,27 Prozent bei bestehenden Gebäuden und 5,31 bei Neubauten. Im Jahresvergleich legten die Preise um 4,34 bzw. 6,69 Prozent zu. Gleichzeitig nahm die Größe der erworbenen Wohnungen ab. Der Markt von Einfamilienhäusern hat ebenfalls zugelegt: Im zweiten Trimester 2012 wurden 31,7 Prozent mehr Häuser verkauft als im ersten Trimester des Jahres. Insgesamt wechselten 822 Häuser im zweiten Trimester landesweit den Besitzer.
Die durchschnittliche Laufzeit eines Immobilienkredits liegt derzeit hierzulande zwischen 25 und 30 Jahren. Dabei entscheiden ob der niedrigen Zinsen immer mehr Käufer sich für einen festen Zinssatz.