IMMOBILIENPREISE
Sind Immobilien teuer in Luxemburg? (Entnommen aus einem Artikel erschienen auf PaperJam, Januar 2012)
Jeder beschwert sich über die Preise von Immobilien. Um auf dieses Thema einzugehen sind trotzdem Statistiken und Marktdaten eher als Anekdoten gebraucht. Premierminister Jean-Claude Juncker hat eingeräumt, die Steigerung der Preise von Immobilien gehöre zu dem großen Scheitern seiner Regierung. Arbeitgeber schätzen ein, die hohen Kosten für Immobilien würden eine ständige Lohnsteigerung antreiben. Man hört immer öfter, Hypotheken mit einer Laufzeit von 30 Jahren seien nicht mehr die Ausnahme, und bei jungen Familien ist der Zugang zu Wohnraum schwieriger geworden als es für ihre Eltern war. Zweifellos sind die Preise hoch. Nach Angaben steht der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus und eine Wohnung auf 599.000 bzw. 370.000€.
Soll dies bedeuten, dass Immobilien teuer im wirtschaftlichen Sinne sind, das heißt in Bezug auf die wirtschaftliche Situation des Landes und auf das Einkommen der Bewohner sowie im Vergleich zu den Nachbarländern? Statec sammelt Immobilienpreise (mit der Aufteilung zwischen Wohn- und Halb- oder Nichtwohngebäuden) auf der Basis aller Transaktionen aus dem Jahr 1975.
Zwischen 1975 und 2010 wurden die Preise im Bereich privater Haushalte mit 13 multipliziert, was einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 7,40% entspricht, mit einem großen Anstieg zwischen 1998 und 2007.
Eine ehrenvolle Leistung, aber nicht so erstaunlich als man sich vorstellen kann, wenn man sich die aktuellen Preise der Immobilien anschaut. Die jährliche Wachstumsrate liegt etwas höher als in den Nachbarländern, wobei Belgien (6,27%) und die Niederlanden (5,04%) eine ähnliche Dynamik durchgegangen sind.
Was entsteht wenn man die Immobilienpreise mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes vergleicht? Die Steigerung der Immobilienpreise ist sehr im Einklang mit der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im Bezugszeitraum (+7,43% jährlich zu laufenden Preisen).
Natürlich ist es uns bewußt, dass das BIP ein unvollkommenes Maß des Lebensstandards ist, und besonders in Luxemburg, wegen des erheblichen Beitrags von Ausländern die hier arbeiten aber im Ausland wohnen.
Die OECD-Datenbank verfügt über eine Dateiserie mit dem Titel „Das verfügbare Einkommen pro Kopf zu Marktpreisen und in Landeswährung“, die die Entwicklung des Lebensstandards und damit auch die Kaufkraft der Bürger wiederspiegeln sollte. Was Luxemburg betrifft, steht die Wachstumsrate des verfügbaren Einkommens immer noch auf 6,31% im Bezugszeitraum, was bedeutet, über die letzten 35 Jahre wäre die Steigerung der Immobilienpreise nur um 1,03% pro Jahr höher gewesen als das Wachstum des Lebensstandards. In Bezug auf das Einkommen, entspricht die Entwicklung der Immobilienpreise in Luxemburg in etwa mit der von Belgien und Frankreich überein.
Die Analyse ist nicht komplett und es bleibt noch einiges zu tun. Es hat jedoch aufgedeckt, dass, auch wenn Hauspreise sicherlich hoch sind, trotzdem sind sie aus der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nicht abgekoppelt und sie sind auch, relativ gesehen, eher im Einklang mit der Entwicklung in anderen Ländern. Wenn die Preise unerschwinglich sind, so waren sie es schon vor 35 Jahren.